| Regulatorische Vorgänge
in Zellen sind teilweise sehr schnell. Hierzu zählen zum Beispiel Vorgänge
der Feinregulation des Zellstoffwechsels, welche durch die Aktivierung oder
Deaktivierung von Proteinen oder Enzymen sehr schnell möglich sind.
Diese Steuerung von Proteinen ist unter Anderem durch die Expression früher
Gene, sogenannter Immediate early genes (IEG´s), möglich. IEG´s sind
sowohl bei Säugetieren als auch bei Vögeln nachgewiesen und unter
den Namen egr-1, krox-24, zif 268, c-Fos oder ZENK bekannt.
Aus bisherigen Untersuchungen ist bekannt, daß ZENK bei männlichen Zebrafinken selektiv in Kerngebieten des Gesangssystemes ausgeschüttet wird, die bei der Konsolidierung des Balzgesanges eine Rolle spielen (Jarvis et al. 1998), die also plastisch sind. Weiterhin scheint c-Fos, ein anderes IEG verstärkt in der Phase des REM-Schlafes bei Säugern ausgeschüttet zu werden (Merchant-Nancy et al. 1995), also während einer Phase, die als sehr entscheidend bei Vorgängen der Gedächtnis-konsolidierung angesehen wird. Unsere Hypothese ist, daß ZENK demnach allgemein an der Gedächtnis-konsolidierung beteiligt sein könnte. Vorgänge der Konsolidierung sind bei jungen männlichen Zebrafinken besonders im Zuge der sexuellen Prägung bei der ersten Balz zu beobachten, demnach sollte ZENK hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Im Rahmen des Graduiertenkollegs soll in diesem Projekt geklärt werden, welchen Einfluß das Immediate early gene ZENK bei der sexuellen Prägung junger männlicher Zebrafinken hat. Es soll hierzu untersucht werden, ob ZENK generell in jenen Kerngebieten nachgewiesen werden kann, die aus vorherigen Untersuchungen als prägungsrelevant angesehen werden. Zudem wird das Verhalten des Männchens während der Balz besonders im Hinblick auf Gesang und Übersprungverhalten betrachtet, um gegebenenfalls einen Zusammenhang zwischen der Intensität der ZENK-Expression und dem Arousal des balzenden Männchens zu erstellen. Ferner soll geklärt werden, ob es unterschiedliche ZENK-Signale bei der sexuellen Prägung auf ein arteigenes Weibchen, und dem Weibchen einer Stiefelternart, dem japanischen Mövchen, gibt. Weiterhin soll die Gedächtniskonsolidierung im Schlaf bei Zebrafinken untersucht werden. Die Erwartungen gehen dahin, daß kurz vor dem Schlaf (und damit kurz vor der REM-Phase) präsentierte Reize besser gelernt werden, als Reize, die nach dem Schlaf präsentiert werden. Auch diese Versuche werden im Hinblick auf die sexuelle Prägung auf arteigene und artfremde Weibchen gestaltet. Hier stehen zunächst jedoch reine Verhaltensexperimente im Vordergrund, die zeigen sollen, ob es tatsächlich einen besseren Lernerfolg durch Reizpräsentation kurz vor der REM-Phase gibt. Falls dies zutrifft, so soll auch im Rahmen dieser Versuchsreihe die ZENK-Expression im Schlaf bei Zebrafinken untersucht werden. Unsere Hypothese hierzu ist, daß während der REM-Phase ein verstärktes ZENK-Signal in jenen Kerngebieten nachgewiesen werden sollte, die an der Gedächtniskonsolidierung beteiligt sind. |